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Kapitel: 0 von 6

Vorhang auf!

Oper und Musical erzählen Geschichten – aber nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Musik. Dazu kommen Schauspiel, Bühnenbild, Kostüme und Licht. Bevor du selbst ins Theater gehst, lernst du hier in sechs Kapiteln, wie das alles zusammenspielt.

Zuerst: In welcher Klasse bist du?

Die Kapitel sind für alle gleich. Je nach Klasse bekommst du aber andere Aufgaben und in Klasse 9 ein paar Hintergründe mehr.

Dann: dein Code

Damit deine Antworten nicht verloren gehen, legst du dir einen persönlichen Code an – zum Beispiel mia-6b. Mit demselben Code arbeitest du auf jedem iPad weiter. Merk ihn dir gut!

1 · Was ist Musiktheater?

Oper, Operette, Musical – was sie verbindet und was sie unterscheidet.

2 · Wer macht mit?

Ein Rundgang durchs Theater: von der Unterbühne bis zum Schnürboden.

3 · Stimmen

Von Sopran bis Bass – und warum Musicalstimmen anders klingen.

4 · Bausteine

Ouvertüre, Arie, Rezitativ, Finale: So ist ein Stück gebaut.

5 · Wie Musik erzählt

Leitmotive und die Motivwerkstatt: Du gibst Figuren ihre Musik.

6 · Ins Theater

Wie ein Theaterbesuch abläuft und worauf du achten willst.

Hinweis für die Vertretungslehrkraft

Die Einheit ist so gebaut, dass die Kinder allein damit arbeiten können – Musikkenntnisse sind für die Aufsicht nicht nötig.

  • Alle arbeiten am eigenen iPad mit Kopfhörern.
  • Zu Beginn wählt jedes Kind seine Klasse und legt einen Code an (Vorname und Klasse, z. B. mia-6b). Die Antworten werden damit automatisch gespeichert.
  • Pro Kapitel etwa 20–35 Minuten. In einer Einzelstunde schaffen die meisten ein bis zwei Kapitel, in einer Doppelstunde zwei bis drei. Einfach dort weitermachen, wo das Kind zuletzt war.
  • Ein Kapitel ist geschafft, wenn im Reiter oben ein grüner Haken erscheint. Der Balken oben rechts zeigt den Gesamtstand.
  • Wer vor der Zeit fertig ist, beginnt das nächste Kapitel.

Lehrermodus

Alle Lösungen lassen sich einblenden. Die Codes zeigen, wer wie weit ist.

Hörbeispiele ohne YouTube

Liegt eine Videodatei mit dem angegebenen Namen im Ordner buehne/medien/ auf dem Server, spielt die Seite sie direkt ab – ohne YouTube und ohne Werbung. Erlaubt sind die Endungen .mp4, .m4v, .webm, .mp3 und .m4a. Fehlt die Datei, bietet die Seite das YouTube-Video an.

1

Was ist Musiktheater?

etwa 25 Minuten

Eine Geschichte, erzählt mit Musik

Im Theater gibt es Stücke, in denen nur gesprochen wird – das ist das Schauspiel. Beim Musiktheater dagegen steht die Musik im Mittelpunkt: Die Figuren singen, ein Orchester oder eine Band spielt, oft wird auch getanzt.

Dazu kommt alles, was Theater ausmacht: Schauspiel, Bühnenbild, Kostüme, Maske und Licht. Erst alles zusammen ergibt das Erlebnis im Saal.

Die drei bekanntesten Formen des Musiktheaters sind die Oper, die Operette und das Musical.

Die Oper

Die älteste Form. Entstanden um 1600 in Italien. In der Oper wird fast alles gesungen, mit ausgebildeten, kräftigen Stimmen – ganz ohne Mikrofon. Im Graben vor der Bühne spielt ein großes Orchester. Viele Opern werden in ihrer Originalsprache gesungen, die Übersetzung läuft dann als Text über der Bühne mit.

Beispiele: „Die Zauberflöte“ (Mozart), „Carmen“ (Bizet), „Hänsel und Gretel“ (Humperdinck)

Die Operette

Die „kleine Oper“ entsteht um 1850 in Paris und Wien. Sie ist leichter und lustiger: Zwischen den Liedern wird gesprochen, und es gibt viel Tanzmusik, zum Beispiel Walzer. Die Operette war die Unterhaltungsmusik ihrer Zeit.

Beispiele: „Die Fledermaus“ (Johann Strauß), „Orpheus in der Unterwelt“ (Offenbach)

Das Musical

Das Musical kommt im 20. Jahrhundert aus den USA – vom Broadway in New York. Es mischt Songs, gesprochene Szenen und Tanz. Die Musik klingt nach Pop, Rock oder Jazz. Gespielt wird von einer Band oder einem Orchester, und alle Darstellerinnen und Darsteller tragen ein kleines Mikrofon.

Beispiele: „West Side Story“, „Das Phantom der Oper“, „Rebecca“

Oper und Musical im Vergleich

OperMusical
Seit wann?um 1600, Italien20. Jahrhundert, USA
Gesangfast alles gesungen, klassische GesangsstimmeSongs und gesprochene Szenen, Stimme näher am Popgesang
Mikrofonnein – die Stimme muss den Saal allein füllenja – jede Person trägt ein kleines Mikrofon
MusikOrchesterBand oder Orchester, oft mit E-Gitarre, Schlagzeug, Keyboard
Tanzeher seltensehr oft, große Tanznummern
Spracheoft Originalsprache (Italienisch, Französisch, Deutsch …)meist in der Sprache des Landes
Übrigens: das Singspiel. Im 18. Jahrhundert gab es in Deutschland und Österreich Opern, in denen zwischen den Liedern gesprochen wurde – das nennt man Singspiel. Das berühmteste ist Mozarts „Zauberflöte“ (1791). Das Musical macht es später genauso: Songs und Sprechszenen wechseln sich ab.
Klasse 9 · Genauer hingeschaut

Vierhundert Jahre Musiktheater

  • 1600–1607: In Florenz wollen Gelehrte das antike griechische Theater wiederbeleben, in dem gesungen wurde. So entsteht die Oper. Die älteste Oper, die heute noch gespielt wird, ist „L’Orfeo“ von Claudio Monteverdi (1607).
  • 17. und 18. Jahrhundert: Die Oper ist Unterhaltung für Fürsten und Könige – prunkvolle Hoftheater, Stars wie heute Popstars. Später bauen auch die Städte eigene Opernhäuser für das Bürgertum.
  • 19. Jahrhundert: Richard Wagner will, dass Musik, Dichtung, Bühnenbild und Schauspiel gleichberechtigt zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Gleichzeitig blüht die Operette als leichtere Unterhaltung.
  • 20. Jahrhundert: In New York mischen sich Operette, Varieté und Jazz zum Musical. „Show Boat“ (1927) erzählt als eines der ersten eine ernste Geschichte, „West Side Story“ (1957) verlegt Romeo und Julia ins New York der Jugendbanden. Ab den 1980er-Jahren erobern Musicals wie „Cats“ und „Das Phantom der Oper“ die ganze Welt.
  • Musicals aus Wien: Michael Kunze (Texte) und Sylvester Levay (Musik) schreiben deutschsprachige Musicals, die weltweit gespielt werden: „Elisabeth“ (1992) und „Rebecca“ (2006) – nach dem Roman von Daphne du Maurier.

Oper und Musical sind also keine Gegensätze: Das Musical ist ein Enkel der Oper, der mit der populären Musik seiner Zeit aufgewachsen ist.

Merkwissen · Musiktheater

  • Musiktheater: Theater, in dem die Geschichte vor allem mit Musik erzählt wird.
  • Oper: seit 1600, fast alles gesungen, klassische Stimmen ohne Mikrofon, Orchester.
  • Operette: seit etwa 1850, leichter, mit gesprochenen Dialogen und Tanzmusik.
  • Musical: 20. Jahrhundert, USA; Songs, Sprechszenen und Tanz, Pop- und Rockklänge, mit Mikrofon.
  • Singspiel: deutsche Oper mit gesprochenen Dialogen, z. B. „Die Zauberflöte“.
  • Gesamtkunstwerk: Wagners Idee, dass alle Künste auf der Bühne gleich wichtig sind und zu einem Werk verschmelzen.
2

Wer macht mit?

etwa 30 Minuten

Ein Theater von innen

Was du als Zuschauerin oder Zuschauer siehst, ist nur ein kleiner Teil des Theaters. Über, unter und hinter der Bühne gibt es riesige Räume – und dort arbeiten viel mehr Menschen als auf der Bühne stehen.

Tipp die roten Punkte an und entdecke alle zehn Orte. Ein entdeckter Ort wird golden.

Tipp auf einen Punkt im Bild.

Auf der Bühne und im Graben

  • Solistinnen und Solisten singen die Hauptrollen. In der Oper sind das ausgebildete Opernsängerinnen und -sänger, im Musical Darstellerinnen und Darsteller, die singen, spielen und tanzen können.
  • Der Chor singt die Gruppen: Dorfbewohner, Soldaten, Gäste auf einem Fest.
  • Im Musical tanzt und singt das Ensemble in den großen Gruppenszenen.
  • Das Orchester sitzt im Orchestergraben. Die Dirigentin oder der Dirigent leitet alle: Orchester, Chor und Solisten. Im Musical heißt sie oft „Musical Director“.

Hinter der Bühne

  • Regie: Die Regisseurin oder der Regisseur entscheidet, wie das Stück erzählt wird: Wer steht wo, wer bewegt sich wie, was ist die Idee des Abends?
  • Bühnenbild und Kostümbild entwerfen, wie die Bühne und die Figuren aussehen. Gebaut und genäht wird in den Werkstätten des Theaters.
  • Maske: schminkt die Darsteller und setzt ihnen Perücken und Bärte auf.
  • Requisite: kümmert sich um alle Gegenstände, die auf der Bühne benutzt werden – vom Brief bis zum Lebkuchen.
  • Licht und Ton: Beleuchter machen Tag, Nacht und Gewitter, die Tontechnik mischt im Musical Stimmen und Band.
  • Bühnentechnik: baut die Kulissen auf und um, bewegt Wände, Podeste und Vorhänge.
  • Inspizienz: Die Inspizientin oder der Inspizient steht am Pult neben der Bühne und gibt während der Vorstellung alle Zeichen: Wann kommt wer auf die Bühne, wann geht das Licht aus, wann fällt der Vorhang?
  • Souffleuse oder Souffleur: flüstert den Text vor, wenn jemand ihn vergessen hat.
  • Korrepetition: Pianistinnen und Pianisten, die mit den Sängern ihre Partien am Klavier einstudieren – lange bevor das Orchester dazukommt.
  • Dramaturgie: sucht Stücke aus, recherchiert Hintergründe und schreibt das Programmheft.
Bei eurer Führung seht ihr einige dieser Orte selbst. Am Ende dieses Kapitels schreibst du auf, was du die Person, die euch führt, fragen möchtest.

Merkwissen · Das Theater

  • Orchestergraben: vertiefter Platz für das Orchester zwischen Bühne und Zuschauerraum.
  • Schnürboden: Raum über der Bühne, an dem Kulissen und Scheinwerfer hängen.
  • Unterbühne mit Versenkung: Von unten können Personen und Dinge auftauchen oder verschwinden.
  • Regie erfindet, wie das Stück erzählt wird; Inspizienz gibt während der Vorstellung alle Zeichen.
3

Stimmen

etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!

Die Stimme ist das wichtigste Instrument

Jede Stimme hat einen Umfang: vom tiefsten bis zum höchsten Ton, den sie gut singen kann. Danach teilt man die Stimmen in Stimmlagen ein – drei für Frauen und drei für Männer.

Tipp auf eine Stimmlage, dann hörst du ihren tiefsten, einen mittleren und ihren höchsten Ton. Der farbige Balken zeigt, wo die Stimme auf der Klaviatur liegt – links tief, rechts hoch.

Die Töne klingen hier wie ein Chor auf „Aah“ – eine echte Stimme hörst du gleich in den Hörbeispielen.

Frauenstimmen

Sopran – die höchste Stimme. Oft die junge Heldin oder die Verliebte.
Mezzosopran – die mittlere Stimme. Oft kluge, geheimnisvolle oder verführerische Frauen – und manchmal Jungen!
Alt – die tiefste Frauenstimme. In der Oper eher selten eine Hauptrolle, im Chor unverzichtbar.

Männerstimmen

Tenor – die höchste Männerstimme. Oft der Held und Liebhaber.
Bariton – die mittlere Männerstimme. Oft Freunde, Väter, Rivalen – oder lustige Figuren.
Bass – die tiefste Stimme. Oft alte, weise Männer, Könige, Priester – oder Bösewichte.

Übrigens: Hosenrollen. Manchmal singt eine Frau die Rolle eines Jungen oder jungen Mannes, weil ihre Stimme so jugendlich klingt. Das nennt man Hosenrolle. In „Hänsel und Gretel“ wird Hänsel von einer Mezzosopranistin gesungen!

Hörstation: Welche Stimme singt da?

Hör dir die Beispiele an – jeweils mindestens eine Minute – und entscheide, welche Stimmlage du hörst. Achte darauf: Wie hoch klingt die Stimme? Ist es eine Frau oder ein Mann? Klingt die Stimme hell oder dunkel?

Opernstimme und Musicalstimme

Eine Opernsängerin muss ohne Mikrofon über ein ganzes Orchester hinweg bis in die letzte Reihe zu hören sein. Dafür trainiert sie jahrelang. Opernstimmen klingen deshalb groß, rund und kräftig und schwingen oft deutlich hin und her – das ist das Vibrato.

Im Musical trägt jede Person ein kleines Mikrofon, das Mikroport, meist unsichtbar am Haaransatz. Die Stimme kann deshalb natürlicher und näher am Popgesang klingen, mal fast gesprochen, mal laut herausgeschmettert. Das kraftvolle, laute Singen hoher Töne mit der Bruststimme heißt Belting.

Musicaldarstellerinnen und -darsteller müssen außerdem singen, spielen und tanzen können – oft alles gleichzeitig.

Hörstation: Oper trifft Musical

Im Titelsong von „Das Phantom der Oper“ singt eine Opernsängerin gegen einen Musicalsänger – und die Band spielt Rock. Hör genau hin, wie verschieden die beiden Stimmen klingen.

Zum Vergleich: „Defying Gravity“ aus dem Musical „Wicked“ – ein berühmtes Beispiel für Belting.

Klasse 9 · Genauer hingeschaut

Warum Stimmlagen Rollen verraten

Dass der Held meist ein Tenor ist und der Bösewicht ein Bass, ist eine Konvention – eine Gewohnheit, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Hohe, helle Stimmen verbinden wir mit Jugend, Unschuld und Liebe, tiefe, dunkle Stimmen mit Alter, Macht oder Bedrohung.

Komponisten können diese Erwartung auch brechen: Die Königin der Nacht in der „Zauberflöte“ ist ein extrem hoher Sopran – und trotzdem die gefährlichste Figur des Stücks. Gerade die unmenschlich hohen Töne machen ihre Wut hörbar.

Merkwissen · Stimmen

  • Frauenstimmen von hoch nach tief: Sopran – Mezzosopran – Alt.
  • Männerstimmen von hoch nach tief: Tenor – Bariton – Bass.
  • Hosenrolle: Eine Frau singt die Rolle eines Jungen oder jungen Mannes.
  • Opernstimme: ohne Mikrofon, groß und kräftig, mit viel Vibrato.
  • Musicalstimme: mit Mikroport, näher am Popgesang; Belting = hohe Töne kraftvoll mit der Bruststimme.
4

Bausteine

etwa 30 Minuten

Vom Textbuch zum Stück

Am Anfang eines Musiktheaterstücks steht meist eine Geschichte – ein Märchen, ein Roman, ein Theaterstück. Daraus schreibt jemand das Textbuch: In der Oper heißt es Libretto (italienisch für „Büchlein“), im Musical spricht man vom Buch und von den Liedtexten. Dann komponiert jemand die Musik.

Das Stück ist in größere Abschnitte eingeteilt, die Akte (meist zwei oder drei), und diese wieder in Szenen. Zwischen den Akten ist oft Pause.

Die Bausteine der Musik

  • Ouvertüre oder Vorspiel: Das Orchester spielt allein, bevor sich der Vorhang öffnet. Oft erklingen schon die wichtigsten Melodien des Stücks – wie ein Trailer vor dem Film.
  • Arie (im Musical: Song): Eine Figur singt allein über ihre Gefühle – Liebe, Wut, Angst, Sehnsucht. Die Handlung bleibt dabei stehen, die Zeit scheint anzuhalten.
  • Rezitativ: ein Sprechgesang. Hier wird die Handlung erzählt und vorangetrieben – schnell, fast wie gesprochen, oft nur mit wenigen Instrumenten.
  • Gesprochener Dialog: Im Singspiel, in der Operette und im Musical wird die Handlung statt im Rezitativ in gesprochenen Szenen erzählt.
  • Duett (zu zweit), Terzett (zu dritt), Ensemble (mehrere Figuren gleichzeitig): Oft singen die Figuren dabei ganz verschiedene Gefühle zur selben Zeit.
  • Chor: Eine Gruppe singt – das Volk, die Gäste, die Soldaten.
  • Finale: Das große Ende eines Aktes oder des ganzen Stücks – fast alle stehen auf der Bühne, die Musik wird immer dichter.

Hörstation: Sprechen und Singen im Singspiel

In der „Zauberflöte“ spricht die Königin der Nacht zuerst mit ihrer Tochter Pamina – dann setzt das Orchester ein, und sie singt ihre berühmte Rache-Arie. Achte darauf, wie sich die Stimmung verändert, sobald die Musik beginnt.

Klasse 9 · Genauer hingeschaut

Nummern oder durchkomponiert?

In älteren Opern stehen die Bausteine wie einzelne Nummern hintereinander: Rezitativ, Arie, Rezitativ, Duett … Man spricht von einer Nummernoper. Richard Wagner hat das im 19. Jahrhundert aufgelöst: Seine Musik fließt ohne Pause durch, sie ist durchkomponiert.

Auch Musicals haben eigene Bausteine:

  • Opening Number: Die erste große Nummer stellt die Welt des Stücks vor.
  • „I want“-Song: Früh im Stück singt die Hauptfigur, was sie sich wünscht – das treibt die ganze Handlung an.
  • Reprise: Ein Song kehrt später wieder, oft mit neuem Text oder in anderer Stimmung – und zeigt so, wie sich eine Figur verändert hat.
  • Showstopper: eine Nummer, die so mitreißt, dass das Publikum lange applaudiert und die Vorstellung kurz stehen bleibt.

Merkwissen · Bausteine

  • Libretto: das Textbuch einer Oper. Akt und Szene gliedern das Stück.
  • Ouvertüre: Orchestervorspiel vor Beginn der Handlung.
  • Arie / Song: Solo über Gefühle, die Handlung steht still.
  • Rezitativ: Sprechgesang, die Handlung geht weiter. Im Musical stattdessen oft gesprochene Szenen.
  • Duett, Ensemble, Chor, Finale: Gesang zu zweit, zu mehreren, als Gruppe – und das große Ende.
  • Reprise: Ein Song kehrt verändert wieder. Nummernoperdurchkomponiert.
5

Wie Musik erzählt

etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!

Musik verrät, was die Figuren fühlen

Im Musiktheater weißt du oft schon durch die Musik, was los ist – noch bevor jemand ein Wort gesagt hat. Dafür haben Komponistinnen und Komponisten viele Mittel:

  • Dur oder Moll: Dur klingt meist hell und fröhlich, Moll eher dunkel, traurig oder bedrohlich.
  • Tempo: Schnelle Musik wirkt aufgeregt oder lustig, langsame ruhig, feierlich oder traurig.
  • Tonhöhe: Hohe Töne wirken leicht und hell, tiefe schwer und dunkel.
  • Lautstärke: Laut wirkt mächtig oder wütend, leise zart oder geheimnisvoll.
  • Instrumente: Die Trompete klingt strahlend wie ein Held, die Flöte zart, zitternde Streicher (Tremolo) klingen nach Gefahr, gezupfte Streicher (Pizzicato) nach Schleichen oder Spaß.

Das Leitmotiv

Manche Figuren bekommen eine eigene kurze Melodie, die immer erklingt, wenn sie auftreten – oder wenn an sie gedacht wird. So eine Erkennungsmelodie heißt Leitmotiv. Du kennst das aus dem Kino: Der „Imperial March“ kündigt in Star Wars Darth Vader an, noch bevor er zu sehen ist.

Das Besondere: Das Leitmotiv verändert sich mit der Figur. Hör dir an, wie dasselbe Motiv klingt, wenn die Figur glücklich auftritt, wenn sie in Gefahr ist und wenn sie Abschied nimmt:

Die Motivwerkstatt

Jetzt bist du dran: Du bist Komponistin oder Komponist. Wähl eine Szene, stell das Motiv mit den Reglern so ein, dass es zur Szene passt, hör es dir an – und speichere es. Für alle vier Szenen.

Klasse 9 · Genauer hingeschaut

Das Orchester weiß mehr als die Figuren

Richard Wagner hat das Leitmotiv zu seinem wichtigsten Werkzeug gemacht. In seinem vierteiligen „Ring des Nibelungen“ gibt es Motive für Figuren, Gegenstände, Orte und Ideen – und das Orchester spielt sie manchmal genau dann, wenn eine Figur lügt oder etwas nicht weiß. Das Publikum erfährt so durch die Musik mehr als die Figuren selbst.

Filmkomponisten wie John Williams (Star Wars, Harry Potter) oder Howard Shore (Der Herr der Ringe) arbeiten bis heute nach diesem Prinzip – und viele Musicals auch. Achte im Theater darauf, ob eine Melodie immer wieder auftaucht und wann.

Merkwissen · Wie Musik erzählt

  • Musikalische Mittel: Dur/Moll, Tempo, Tonhöhe, Lautstärke und Instrumente zeigen Stimmungen und Charaktere.
  • Leitmotiv: eine kurze Melodie, die für eine Figur, einen Gegenstand oder ein Gefühl steht und immer wieder – oft verändert – erklingt.
  • Tremolo: schnell zitternd gespielte Töne, klingt nach Spannung. Pizzicato: gezupfte Streicher.
6

Ins Theater

etwa 25 Minuten

So läuft ein Theaterbesuch

  • Kleidung: Du musst dich nicht verkleiden – aber viele ziehen sich für einen Theaterabend gerne etwas schicker an.
  • Pünktlich sein: Wer zu spät kommt, darf oft erst in der Pause in den Saal.
  • Garderobe: Jacken und große Taschen gibst du vorher ab. Das Programmheft verrät dir Handlung und Mitwirkende.
  • Handy aus: Nicht nur lautlos, sondern ganz aus. Fotografieren und Filmen sind während der Vorstellung verboten – es stört die Darsteller und die anderen im Publikum, und die Aufführung ist geschützt.
  • Wenn es dunkel wird, beginnt die Vorstellung. Dann wird nicht mehr geredet – auch nicht geflüstert. Essen und Trinken gibt es in der Pause im Foyer, nicht im Saal.
  • Applaus: Am Ende verbeugen sich alle, oft mehrmals – dann wird lange geklatscht. In der Oper wird auch nach einer besonders schönen Arie geklatscht, im Musical nach vielen Songs. Wer begeistert ist, ruft „Bravo!“ (für einen Mann), „Brava!“ (für eine Frau) oder „Bravi!“ (für alle).
  • Stehende Ovationen: Wenn das Publikum am Schluss aufsteht und klatscht, ist das das größte Lob.

Mit offenen Augen und Ohren

Im Theater passiert sehr viel gleichzeitig. Es hilft, wenn du dir vorher überlegst, worauf du besonders achten willst. Nach dem Besuch brauchst du deine Beobachtungen – dann schreibst du darüber.

Bühnenbild und Licht
Wie sieht die Bühne aus? Wie verändert sie sich? Wann wird es hell oder dunkel, wann farbig?
Kostüme und Maske
Woran erkennst du, wer eine Figur ist? Aus welcher Zeit scheinen die Kostüme zu kommen?
Eine Figur und ihre Stimme
Welche Stimmlage hat sie? Wie klingt ihre Musik – und passt das zu ihrem Charakter?
Orchester oder Band
Wo sitzen die Musiker? Welche Instrumente hörst du heraus? Kehrt eine Melodie immer wieder?

Dein Stück

Hier geht es weiter mit dem Stück, das du im Theater sehen wirst – und nach dem Besuch mit deiner Kritik.

Oper · Klasse 6

Hänsel und Gretel

Märchenoper von Engelbert Humperdinck (1893). Die Geschichte, die Figuren und ihre Stimmen, die Lieder zum Mitsingen – und wie die Musik die Hexe verrät.

Musical · Klasse 9

Rebecca

Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze (2006), für euch im Opernhaus Dortmund. Wie die Musik eine Tote allgegenwärtig macht – und was ein Musicalsong mit einem romantischen Liebeslied zu tun hat.

← Hänsel und Gretel

1

Die Geschichte

etwa 30 Minuten

Vom Märchen zur Oper

Die Geschichte kennst du bestimmt aus dem Märchen der Brüder Grimm. Die Oper ist aus einem Familienspaß entstanden: Adelheid Wette schrieb für ihre Kinder ein kleines Märchenspiel und bat ihren Bruder, den Komponisten Engelbert Humperdinck, ein paar Lieder dazu zu schreiben. Die Lieder gefielen so gut, dass Humperdinck daraus nach und nach eine ganze Oper machte.

Am 23. Dezember 1893 wurde „Hänsel und Gretel“ in Weimar zum ersten Mal gespielt. Seitdem gehört sie zu den beliebtesten Opern überhaupt und wird besonders gern in der Weihnachtszeit aufgeführt.

Die Oper hat drei Akte. Humperdinck nennt sie Bilder.

1. Bild

Daheim

In einer ärmlichen Hütte am Waldrand sind Hänsel und Gretel allein. Sie sollen arbeiten: Hänsel bindet Besen, Gretel strickt einen Strumpf. Aber sie haben Hunger und keine Lust – also tanzen sie lieber („Brüderchen, komm tanz mit mir“).

Da kommt die Mutter heim. Sie ist wütend, weil nicht gearbeitet wurde, und stößt dabei aus Versehen den Milchtopf um. Jetzt gibt es gar nichts mehr zu essen! Sie schickt die Kinder in den Wald: Sie sollen Erdbeeren sammeln.

Dann kommt der Vater nach Hause – fröhlich, denn er hat viele Besen verkauft und bringt Essen mit. Als er hört, wo die Kinder sind, erschrickt er: Im Wald wohnt die Knusperhexe, die Kinder in ihrem Ofen zu Lebkuchen bäckt! Die Eltern laufen los, um die Kinder zu suchen.

2. Bild

Im Walde

Gretel flicht einen Kranz aus Blumen, Hänsel sammelt Erdbeeren – und dann essen die beiden alle Erdbeeren auf. Es wird dunkel, sie finden den Weg nicht mehr. Aus dem Wald hören sie einen Kuckuck und ein Echo, Nebel steigt auf, sie haben Angst.

Da kommt das Sandmännchen und streut ihnen Sand in die Augen. Bevor sie einschlafen, beten sie ihren Abendsegen („Abends will ich schlafen gehn“). Im Traum steigen vierzehn Engel vom Himmel herab und stellen sich schützend um die Kinder.

3. Bild

Das Knusperhäuschen

Am Morgen weckt das Taumännchen die Kinder mit Tautropfen. Da entdecken sie ein Häuschen aus Lebkuchen und Süßigkeiten – und knabbern daran. „Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?“

Die Hexe fängt die beiden mit einem Zauberspruch. Sie sperrt Hänsel in einen Stall, um ihn zu mästen, Gretel muss im Haus helfen. Vor Freude reitet die Hexe auf ihrem Besen durch die Luft („Hurr hopp hopp hopp“).

Gretel schnappt sich den Zauberstab und befreit Hänsel mit dem Zauberspruch der Hexe. Als die Hexe Gretel in den Ofen schauen lassen will, stellt Gretel sich dumm: „Wie mach ich’s?“ Die Hexe zeigt es ihr – und die Kinder stoßen sie in den Ofen. Der Ofen zerspringt, und die Lebkuchenkinder am Zaun werden wieder lebendig. Endlich finden die Eltern ihre Kinder, und alle singen zum Schluss: „Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht.“

Märchen und Oper im Vergleich

Märchen der Brüder GrimmOper von Humperdinck
Warum im Wald?Die Eltern haben kein Essen mehr und lassen die Kinder absichtlich im Wald zurück.Die Mutter schickt die Kinder aus Wut zum Erdbeersammeln. Niemand will sie loswerden – die Eltern suchen sie sogar.
Der WegHänsel legt Kieselsteine und Brotkrumen.Keine Steine, keine Krumen: Die Kinder verlaufen sich einfach.
Helferkeine ZauberwesenSandmännchen, Taumännchen und vierzehn Engel
Das EndeDie Kinder nehmen die Schätze der Hexe mit und finden allein nach Hause.Die Lebkuchenkinder werden erlöst, die Eltern kommen, alle feiern zusammen.

← Hänsel und Gretel

2

Figuren und Stimmen

etwa 25 Minuten · Kopfhörer auf!

Wer singt was?

Erinnerst du dich an Kapitel 3? Jede Figur bekommt eine Stimmlage, die zu ihr passt. In „Hänsel und Gretel“ gibt es dabei zwei Überraschungen.

GretelSopran

Fröhlich, mutig und schlau – am Ende rettet sie ihren Bruder.

HänselMezzosopran

Ein Junge, gesungen von einer Frau: eine Hosenrolle. Zusammen klingen die beiden Kinderstimmen hell und ähnlich.

Gertrud, die MutterMezzosopran

Müde und verzweifelt, weil nichts zu essen im Haus ist.

Peter, der VaterBariton

Besenbinder, fröhlich und laut – und voller Sorge, als er von der Hexe erzählt.

Die KnusperhexeMezzosopran – oft auch Tenor!

Böse, gierig und ein bisschen verrückt. Manche Theater lassen sie von einem Mann singen – dann wird sie noch gruseliger und komischer zugleich.

SandmännchenSopran

Bringt den Kindern im Wald den Schlaf.

TaumännchenSopran

Weckt die Kinder am Morgen mit Tautropfen.

LebkuchenkinderKinderchor

Die verzauberten Kinder am Zaun der Hexe. Oft singt hier ein echter Kinderchor.

Hörstation: Zwei Hexen

Hier singt die Hexe ihren wilden Besenritt „Hurr hopp hopp hopp“ – einmal von einer Frau gesungen, einmal von einem Mann. Hör dir beide an und vergleiche.

Die Hexe als Mezzosopran:

Die Hexe als Tenor:

← Hänsel und Gretel

3

Lieder zum Mitsingen

etwa 25 Minuten · Kopfhörer auf!

Musik, die man sofort mitsingen kann

Humperdinck wollte eine Oper, die Kinder verstehen und mitsingen können. Viele Melodien klingen deshalb wie Volkslieder: einfach, eingängig, mit Strophen. Zwei davon sind so berühmt geworden, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass sie aus einer Oper stammen.

„Brüderchen, komm tanz mit mir“ · 1. Bild

Gretel will ihrem Bruder das Tanzen beibringen. Hör zu, lies mit – und mach die Bewegungen mit, wenn du magst!

GretelBrüderchen, komm tanz mit mir,
beide Händchen reich ich dir.
Einmal hin, einmal her,
rundherum, es ist nicht schwer!

HänselTanzen soll ich armer Wicht,
Schwesterlein, und kann es nicht.
Darum zeig mir, wie ich’s mach,
dass ich tanzen lern danach.

GretelMit den Füßchen tapp, tapp, tapp,
mit den Händchen klapp, klapp, klapp.
Einmal hin, einmal her,
rundherum, es ist nicht schwer!

Und so geht es weiter – Strophe für Strophe mit derselben Melodie, aber immer neuen Bewegungen.

Der Abendsegen · 2. Bild

Allein im dunklen Wald, bevor sie einschlafen, beten Hänsel und Gretel. Achte darauf, wie ruhig die Musik plötzlich wird.

Abends, will ich schlafen gehn,
vierzehn Engel um mich stehn:
zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füßen,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zweie, die mich decken,
zweie, die mich wecken,
zweie, die mich weisen
zu Himmels-Paradeisen.

„Häupten“ ist ein altes Wort für „am Kopf“. „Himmels-Paradeisen“ bedeutet „ins Paradies im Himmel“.

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4

Die Musik erzählt

etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!

Ein großes Orchester für ein Märchen

Bevor Humperdinck „Hänsel und Gretel“ schrieb, hat er in Bayreuth bei Richard Wagner gearbeitet und ihm geholfen, eine seiner Opern auf die Bühne zu bringen. Von Wagner hat er gelernt, mit einem großen Orchester zu erzählen und mit Leitmotiven zu arbeiten – du kennst sie aus Kapitel 5. So klingt das Märchen im Orchester fast wie großes Kino.

Hörstation: Das Vorspiel

Noch bevor sich der Vorhang öffnet, spielt das Orchester das Vorspiel. Hör dir mindestens die ersten zwei Minuten an. Achte besonders auf den Anfang: Welche Instrumente spielen, und welche Melodie kennst du schon?

Hörstation: Der Hexenritt

Vor dem 2. Bild spielt das Orchester noch einmal allein: den Hexenritt. Die Hexe ist noch gar nicht zu sehen – aber die Musik erzählt schon von ihr.

Motivwerkstatt: Hexe und Engel

Jetzt vertonst du zwei Szenen aus der Oper selbst – wie in Kapitel 5. Stell das Motiv ein, hör es dir an, speichere es und schreib dazu, warum es passt. Danach vergleichst du deine Musik mit der von Humperdinck.

Merkwissen · Hänsel und Gretel

  • Komponist: Engelbert Humperdinck; Text von seiner Schwester Adelheid Wette. Uraufführung 1893 in Weimar.
  • Aufbau: drei Bilder – Daheim, Im Walde, Das Knusperhäuschen.
  • Stimmen: Gretel Sopran, Hänsel Mezzosopran (Hosenrolle), Vater Bariton, Hexe Mezzosopran oder Tenor.
  • Lieder: „Brüderchen, komm tanz mit mir“ und der Abendsegen klingen wie Volkslieder.
  • Orchester: Das Vorspiel beginnt mit der Melodie des Abendsegens in den Hörnern. Der Hexenritt ist wild und schnell.

← Hänsel und Gretel

5

Nach dem Besuch

etwa 45 Minuten · erst nach dem Theaterbesuch

Dein Beobachtungsauftrag

Das wolltest du im Theater herausfinden (aus Kapitel 6):

So schreibst du eine Kritik

Eine Kritik erzählt anderen, was du gesehen hast, und sagt deine begründete Meinung. Gute Kritiken sind genau: Statt „Die Hexe war toll“ schreibst du, was toll war – ihre Stimme, ihr Kostüm, wie sie sich bewegt hat.

  1. Einleitung: Welches Stück hast du wo und wann gesehen?
  2. Was ist besonders gelungen? Mindestens zwei Beispiele – Musik, Gesang, Bühnenbild, Kostüme, Spiel.
  3. Was hat dir weniger gefallen? Auch das darfst du schreiben, wenn du es begründest.
  4. Fazit: Würdest du die Aufführung weiterempfehlen – und wem?

← Rebecca

1

Die Geschichte

etwa 35 Minuten

Vom Roman über den Film zum Musical

„Rebecca“ ist zuerst ein Roman der englischen Schriftstellerin Daphne du Maurier aus dem Jahr 1938 – ein Bestseller bis heute. 1940 machte Alfred Hitchcock daraus einen Film, der den Oscar als bester Film gewann.

Das Musical stammt von Sylvester Levay (Musik) und Michael Kunze (Buch und Liedtexte), die vorher schon mit „Elisabeth“ Erfolg hatten. Uraufgeführt wurde es am 28. September 2006 im Raimund Theater in Wien. Seitdem wurde es in zwölf Ländern gespielt. Die Handlung spielt 1926/27 in Monte Carlo und in Cornwall im Südwesten Englands.

Ihr seht „Rebecca“ im Opernhaus Dortmund – in einer Neuinszenierung von Gil Mehmert, Premiere am 19. September 2026. Es ist das erste Mal, dass das Musical an einem deutschen Stadttheater gespielt wird. Mehr dazu in Station 5.

Der Trailer der Wiener Neuinszenierung von 2022 gibt dir einen ersten Eindruck:

Die Figuren

„Ich“

Eine junge, schüchterne Frau ohne Namen – sie erzählt die Geschichte. Anfangs arbeitet sie als Gesellschafterin einer reichen Amerikanerin.

Maxim de Winter

Ein reicher Engländer, Besitzer des Landsitzes Manderley. Seine erste Frau Rebecca ist vor einem Jahr ertrunken.

Mrs. Danvers

Die Haushälterin von Manderley. Sie hat Rebecca abgöttisch verehrt und duldet keine Nachfolgerin.

Rebecca

Maxims erste Frau. Sie ist tot und tritt nie auf – und ist trotzdem überall.

Frank Crawley

Verwalter von Manderley und Maxims bester Freund, freundlich und ehrlich.

Beatrice

Maxims Schwester; sie nimmt „Ich“ sofort herzlich auf.

Jack Favell

Rebeccas Cousin, zwielichtig – er will aus Rebeccas Tod Kapital schlagen.

Mrs. van Hopper

Die reiche, laute Amerikanerin, für die „Ich“ anfangs arbeitet.

1. Akt

Im Schatten Rebeccas

Im Prolog träumt „Ich“, Jahre später, von den Ruinen des Landsitzes Manderley („Ich hab geträumt von Manderley“). Dann springt die Geschichte zurück: In Monte Carlo lernt die junge Frau den reichen Witwer Maxim de Winter kennen. Die beiden verlieben sich, heiraten überstürzt und ziehen nach Manderley.

Dort ist die tote Rebecca allgegenwärtig: ihr Zimmer, ihre Möbel, ihr Monogramm – und vor allem Mrs. Danvers, die ihre frühere Herrin fast anbetet und die neue Mrs. de Winter spüren lässt, dass sie nicht dazugehört. Maxim wird immer wieder schroff und verschlossen. Für den großen Kostümball rät Mrs. Danvers „Ich“, ein Kleid nach einem Gemälde im Haus nachschneidern zu lassen. Als „Ich“ darin die Treppe herunterkommt, sind alle entsetzt: Genau dieses Kleid trug Rebecca auf ihrem letzten Ball.

2. Akt

Die Wahrheit

Am nächsten Morgen drängt Mrs. Danvers „Ich“ am offenen Fenster, sich das Leben zu nehmen – da reißen Leuchtraketen sie aus der Starre: Ein Schiff ist in der Bucht gestrandet. Taucher finden dabei Rebeccas gesunkenes Segelboot, und darin ihre Leiche.

Jetzt gesteht Maxim: Er hat Rebecca nie geliebt, sondern gehasst. Bei einem heftigen Streit kam sie ums Leben, und er hat sie mit ihrem Boot versenkt. „Ich“ steht zu ihm – und verändert sich: Aus der schüchternen jungen Frau wird die Herrin von Manderley („Mrs. de Winter bin ich!“). Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass Rebecca unheilbar krank war und sterben wollte; Maxim wird nicht angeklagt. Doch Mrs. Danvers will keine neue Mrs. de Winter dulden: Sie setzt Manderley in Brand und stirbt in den Flammen. Im Epilog leben „Ich“ und Maxim weit weg in Italien – und Manderley gibt es nur noch im Traum.

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Die Unsichtbare

etwa 40 Minuten · Kopfhörer auf!

Eine Hauptfigur, die nie auftritt

Das Stück heißt „Rebecca“ – aber Rebecca steht nie auf der Bühne. Trotzdem spürt das Publikum sie den ganzen Abend. Wie geht das? Die Macher nutzen vier Mittel:

  • Andere sprechen und singen über sie – allen voran Mrs. Danvers, die Rebecca wie eine Heilige verehrt.
  • Dinge erinnern an sie: ihr Zimmer, ihr Schreibtisch, das Monogramm „R“, das Kleid vom letzten Ball.
  • Die „Schatten“: Ein Ensemble geisterhafter Gestalten taucht immer wieder auf – die Vergangenheit, die nicht vergeht.
  • Die Musik: Der Titelsong „Rebecca“ wird zum Erkennungszeichen der Toten und kehrt im Stück mehrfach wieder.

Hörstation: der Titelsong

Mrs. Danvers erzählt „Ich“ von Rebecca – und steigert sich dabei immer mehr hinein. Hör den Song ganz an und achte auf: Wie oft und wie erklingt der Name „Rebecca“? Wie entwickelt sich die Lautstärke? Wie setzt die Sängerin ihre Stimme ein? Was macht das Orchester?

Aufnahme aus dem Wiener Konzert „Stimmen für den Frieden“ 2022 mit Carin Filipčić. Im Stück singt Mrs. Danvers den Song im 1. Akt in Rebeccas Zimmer.

Wortspeicher für deine Beschreibung

  • Lautstärke: Crescendo (lauter werden), Steigerung, Höhepunkt, plötzlich leise, Kontrast
  • Stimme: Bruststimme, Belting, kraftvoll, schneidend, beschwörend, geflüstert, gehaltene Töne
  • Form: Strophe, Refrain, Wiederholung, Steigerung von Durchgang zu Durchgang, Reprise
  • Orchester: Streicher, Schlagzeug, Bläser, Chor/Ensemble, pulsierender Rhythmus, dichter werdender Klang
  • Wirkung: bedrohlich, besessen, sehnsüchtig, triumphierend, überwältigend, unheimlich

Die Reprise: Rebecca kehrt zurück

Im 2. Akt, am Morgen nach dem Ball, erklingt der Titelsong wieder – jetzt singt Mrs. Danvers ihn, während sie „Ich“ am offenen Fenster in den Abgrund treiben will. Eine Melodie, die wiederkommt, ist wie ein Leitmotiv (Kapitel 5): Sie zeigt, dass Rebecca die Figuren nicht loslässt – und dass sich die Lage verschärft hat.

Aufnahme vom Donauinselfest Wien 2022.

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Wie „Ich“ sich verändert

etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!

Eine Frau ohne Namen

Die Hauptfigur hat keinen Namen – schon im Roman nicht. Sie ist „Ich“, die Erzählerin. Neben der strahlenden Rebecca, deren Name überall steht, wirkt sie dadurch klein und austauschbar. Genau darum geht es im Stück: Findet sie ihren eigenen Platz?

Musicals zeigen solche Entwicklungen oft über die Songs einer Figur. Vergleiche zwei Momente:

Hörstation 1: „Zeit in einer Flasche“ · 1. Akt

Monte Carlo. Mrs. van Hopper will abreisen, und „Ich“ denkt an die glücklichen Tage mit Maxim zurück. Sie wünscht sich, sie könnte die Zeit festhalten – wie in einer Flasche.

Hörstation 2: „Mrs. de Winter bin ich!“ · 2. Akt

Nach Maxims Geständnis lässt „Ich“ alles wegräumen, was an Rebecca erinnert. Mrs. Danvers protestiert – doch jetzt gibt „Ich“ die Anweisungen. Hier singen die beiden Gegenspielerinnen gegeneinander.

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Liebeslieder gestern und heute

etwa 45 Minuten · Kopfhörer auf!

Zwei Liebeslieder, 166 Jahre auseinander

Liebe ist das älteste Thema der Musik. Aber wie man ein Liebeslied schreibt und singt, hat sich stark verändert. Du vergleichst jetzt ein romantisches Kunstlied von 1840 mit einem Musicalsong aus „Rebecca“ von 2006.

Robert Schumann: „Widmung“ (1840)

1840 durfte Robert Schumann nach langem Kampf – ihr Vater war strikt dagegen – endlich die Pianistin Clara Wieck heiraten. Als Hochzeitsgeschenk schrieb er ihr eine Sammlung von Liedern, die „Myrthen“ (Myrte ist eine Brautblume). Das erste Lied heißt „Widmung“. Der Text ist ein Gedicht von Friedrich Rückert.

Ein Kunstlied ist ein Gedicht, das für eine Singstimme und Klavier vertont wurde. Beide sind gleich wichtig: Das Klavier begleitet nicht nur, es deutet den Text mit aus. Gesungen wurden solche Lieder im Salon, zu Hause oder im Konzert.

Du meine Seele, du mein Herz,
du meine Wonn’, o du mein Schmerz,
du meine Welt, in der ich lebe,
mein Himmel du, darein ich schwebe,
o du mein Grab, in das hinab
ich ewig meinen Kummer gab!

Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
du bist vom Himmel mir beschieden.
Dass du mich liebst, macht mich mir wert,
dein Blick hat mich vor mir verklärt,
du hebst mich liebend über mich,
mein guter Geist, mein bessres Ich!

Danach kehrt der Anfang wieder. „Wonne“ bedeutet große Freude, „verklärt“ so viel wie „in schönerem Licht erscheinen lassen“. Achte beim Hören darauf, wie sich die Musik beim zweiten Teil „Du bist die Ruh“ verändert.

„Hilf mir durch die Nacht“ aus „Rebecca“ (2006)

1. Akt, die erste Nacht im Ostflügel von Manderley. „Ich“ und Maxim fühlen beide die Schatten der Vergangenheit und haben Angst. Sie bitten einander, sich gegenseitig Halt zu geben – ein Liebesduett mitten in der Handlung.

Aufnahme vom Donauinselfest Wien 2022.

Vergleichen mit Kriterien

So baust du deinen Vergleich auf

  • Besetzung: Wer singt, wer begleitet?
  • Stimme und Vortrag: klassische Stimme oder Musicalstimme, Vibrato, Mikrofon, Ausdruck
  • Form: Wie ist das Lied gegliedert? Gibt es Wiederholungen, Kontraste, eine Steigerung?
  • Text: Gedicht oder Liedtext zur Szene? Wie wird von der Liebe gesprochen?
  • Funktion: Wo und wofür wird das Lied gesungen – im Konzert oder als Teil einer Geschichte?
  • Wirkung und Urteil: Welches Lied berührt dich mehr – und warum?

Merkwissen · Liebeslieder

  • Kunstlied: vertontes Gedicht für Singstimme und Klavier; Blütezeit in der Romantik (Schubert, Schumann, Brahms).
  • „Widmung“: Robert Schumann, 1840, Hochzeitsgeschenk an Clara; Text von Friedrich Rückert; dreiteilig mit ruhigerem Mittelteil.
  • Musicalsong: Teil einer Handlung, eine Figur singt in einer bestimmten Situation; Begleitung durch Orchester oder Band, gesungen mit Mikroport.
  • Duett: Zwei Figuren singen im Wechsel und zusammen – oft der Moment, in dem eine Beziehung sich klärt.

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Nach dem Besuch

etwa 60 Minuten · erst nach dem Theaterbesuch

Eure Vorstellung: „Rebecca“ im Opernhaus Dortmund

Das Theater Dortmund zeigt „Rebecca“ in der Spielzeit 2026/27 als Neuinszenierung von Gil Mehmert. Premiere war am 19. September 2026. Das Besondere: Zum ersten Mal steht das Musical nicht in einem reinen Musicaltheater, sondern auf der Bühne eines deutschen Stadttheaters – im Opernhaus, in dem sonst Opern und Ballett laufen. Die Vorstellung dauert etwa 2 Stunden 45 Minuten mit einer Pause.

RollePremierenbesetzung
„Ich“Antonia Kalinowski
Maxim de WinterMark Seibert (in manchen Vorstellungen Jan Ammann oder Philipp Dietrich)
Mrs. DanversBettina Mönch
Jack FavellDavid Jakobs
Mrs. Van HopperAmani Robinson
BeatriceAlexandra Farkic
Frank CrawleyMarkus Schneider

Die Besetzung kann an jedem Abend wechseln. Wer bei euch gespielt hat, steht auf dem Besetzungszettel im Programmheft.

Das Team hinter der Bühne

Erinnerst du dich an Kapitel 2? So heißen die Menschen, die die Dortmunder „Rebecca“ gestaltet haben:

RegieGil Mehmert
Musikalische LeitungCarlos Vázquez, Olivia Lee-Gundermann, Michael Shannon
BühneKarl Fehringer, Judith Leikauf
KostümeFalk Bauer
ChoreografieYara Hassan
LichtdesignMichael Grundner
SounddesignJoerg Gruensfelder
DramaturgieNikita Dubov
InspizienzIvana Aeschbacher, Ulas Nagler

Angaben nach der Website des Theaters Dortmund (Stand September 2026). Das Sounddesign gibt es im Opernhaus sonst kaum – im Musical sorgt es dafür, dass Mikroports, Orchester und Effekte im Saal richtig klingen.

Dein Beobachtungsauftrag

Das wolltest du im Musical herausfinden (aus Kapitel 6):

So schreibst du eine Kritik

Eine Kritik informiert und beurteilt. Dein Urteil zählt nur, wenn du es mit genauen Beobachtungen belegst und die Fachbegriffe aus dieser Einheit nutzt.

  1. Einleitung: Stück, Autoren, Theater Dortmund, Inszenierung von Gil Mehmert, euer Vorstellungsdatum – und worum es geht, in zwei, drei Sätzen.
  2. Die Inszenierung: Wie wurden Manderley, die Schatten und die unsichtbare Rebecca umgesetzt? Bühnenbild, Licht, Kostüme.
  3. Musik und Darsteller: Stimmen, Ausdruck, Orchester oder Band, einzelne Songs, die dir besonders aufgefallen sind.
  4. Kritik: Was hat nicht überzeugt? Begründe.
  5. Fazit: Dein Gesamturteil – und für wen sich der Besuch lohnt.