Oper und Musical erzählen Geschichten – aber nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Musik. Dazu kommen Schauspiel, Bühnenbild, Kostüme und Licht. Bevor du selbst ins Theater gehst, lernst du hier in sechs Kapiteln, wie das alles zusammenspielt.
Die Kapitel sind für alle gleich. Je nach Klasse bekommst du aber andere Aufgaben und in Klasse 9 ein paar Hintergründe mehr.
Damit deine Antworten nicht verloren gehen, legst du dir einen persönlichen Code an – zum Beispiel mia-6b. Mit demselben Code arbeitest du auf jedem iPad weiter. Merk ihn dir gut!
Oper, Operette, Musical – was sie verbindet und was sie unterscheidet.
Ein Rundgang durchs Theater: von der Unterbühne bis zum Schnürboden.
Von Sopran bis Bass – und warum Musicalstimmen anders klingen.
Ouvertüre, Arie, Rezitativ, Finale: So ist ein Stück gebaut.
Leitmotive und die Motivwerkstatt: Du gibst Figuren ihre Musik.
Wie ein Theaterbesuch abläuft und worauf du achten willst.
Die Einheit ist so gebaut, dass die Kinder allein damit arbeiten können – Musikkenntnisse sind für die Aufsicht nicht nötig.
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etwa 25 Minuten
Im Theater gibt es Stücke, in denen nur gesprochen wird – das ist das Schauspiel. Beim Musiktheater dagegen steht die Musik im Mittelpunkt: Die Figuren singen, ein Orchester oder eine Band spielt, oft wird auch getanzt.
Dazu kommt alles, was Theater ausmacht: Schauspiel, Bühnenbild, Kostüme, Maske und Licht. Erst alles zusammen ergibt das Erlebnis im Saal.
Die drei bekanntesten Formen des Musiktheaters sind die Oper, die Operette und das Musical.
Die älteste Form. Entstanden um 1600 in Italien. In der Oper wird fast alles gesungen, mit ausgebildeten, kräftigen Stimmen – ganz ohne Mikrofon. Im Graben vor der Bühne spielt ein großes Orchester. Viele Opern werden in ihrer Originalsprache gesungen, die Übersetzung läuft dann als Text über der Bühne mit.
Beispiele: „Die Zauberflöte“ (Mozart), „Carmen“ (Bizet), „Hänsel und Gretel“ (Humperdinck)
Die „kleine Oper“ entsteht um 1850 in Paris und Wien. Sie ist leichter und lustiger: Zwischen den Liedern wird gesprochen, und es gibt viel Tanzmusik, zum Beispiel Walzer. Die Operette war die Unterhaltungsmusik ihrer Zeit.
Beispiele: „Die Fledermaus“ (Johann Strauß), „Orpheus in der Unterwelt“ (Offenbach)
Das Musical kommt im 20. Jahrhundert aus den USA – vom Broadway in New York. Es mischt Songs, gesprochene Szenen und Tanz. Die Musik klingt nach Pop, Rock oder Jazz. Gespielt wird von einer Band oder einem Orchester, und alle Darstellerinnen und Darsteller tragen ein kleines Mikrofon.
Beispiele: „West Side Story“, „Das Phantom der Oper“, „Rebecca“
| Oper | Musical | |
|---|---|---|
| Seit wann? | um 1600, Italien | 20. Jahrhundert, USA |
| Gesang | fast alles gesungen, klassische Gesangsstimme | Songs und gesprochene Szenen, Stimme näher am Popgesang |
| Mikrofon | nein – die Stimme muss den Saal allein füllen | ja – jede Person trägt ein kleines Mikrofon |
| Musik | Orchester | Band oder Orchester, oft mit E-Gitarre, Schlagzeug, Keyboard |
| Tanz | eher selten | sehr oft, große Tanznummern |
| Sprache | oft Originalsprache (Italienisch, Französisch, Deutsch …) | meist in der Sprache des Landes |
Oper und Musical sind also keine Gegensätze: Das Musical ist ein Enkel der Oper, der mit der populären Musik seiner Zeit aufgewachsen ist.
etwa 30 Minuten
Was du als Zuschauerin oder Zuschauer siehst, ist nur ein kleiner Teil des Theaters. Über, unter und hinter der Bühne gibt es riesige Räume – und dort arbeiten viel mehr Menschen als auf der Bühne stehen.
Tipp die roten Punkte an und entdecke alle zehn Orte. Ein entdeckter Ort wird golden.
Tipp auf einen Punkt im Bild.
etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!
Jede Stimme hat einen Umfang: vom tiefsten bis zum höchsten Ton, den sie gut singen kann. Danach teilt man die Stimmen in Stimmlagen ein – drei für Frauen und drei für Männer.
Tipp auf eine Stimmlage, dann hörst du ihren tiefsten, einen mittleren und ihren höchsten Ton. Der farbige Balken zeigt, wo die Stimme auf der Klaviatur liegt – links tief, rechts hoch.
Die Töne klingen hier wie ein Chor auf „Aah“ – eine echte Stimme hörst du gleich in den Hörbeispielen.
Sopran – die höchste Stimme. Oft die junge Heldin oder die Verliebte.
Mezzosopran – die mittlere Stimme. Oft kluge, geheimnisvolle oder verführerische Frauen – und
manchmal Jungen!
Alt – die tiefste Frauenstimme. In der Oper eher selten eine Hauptrolle, im Chor unverzichtbar.
Tenor – die höchste Männerstimme. Oft der Held und Liebhaber.
Bariton – die mittlere Männerstimme. Oft Freunde, Väter, Rivalen – oder lustige Figuren.
Bass – die tiefste Stimme. Oft alte, weise Männer, Könige, Priester – oder Bösewichte.
Hör dir die Beispiele an – jeweils mindestens eine Minute – und entscheide, welche Stimmlage du hörst. Achte darauf: Wie hoch klingt die Stimme? Ist es eine Frau oder ein Mann? Klingt die Stimme hell oder dunkel?
Eine Opernsängerin muss ohne Mikrofon über ein ganzes Orchester hinweg bis in die letzte Reihe zu hören sein. Dafür trainiert sie jahrelang. Opernstimmen klingen deshalb groß, rund und kräftig und schwingen oft deutlich hin und her – das ist das Vibrato.
Im Musical trägt jede Person ein kleines Mikrofon, das Mikroport, meist unsichtbar am Haaransatz. Die Stimme kann deshalb natürlicher und näher am Popgesang klingen, mal fast gesprochen, mal laut herausgeschmettert. Das kraftvolle, laute Singen hoher Töne mit der Bruststimme heißt Belting.
Musicaldarstellerinnen und -darsteller müssen außerdem singen, spielen und tanzen können – oft alles gleichzeitig.
Im Titelsong von „Das Phantom der Oper“ singt eine Opernsängerin gegen einen Musicalsänger – und die Band spielt Rock. Hör genau hin, wie verschieden die beiden Stimmen klingen.
Zum Vergleich: „Defying Gravity“ aus dem Musical „Wicked“ – ein berühmtes Beispiel für Belting.
Dass der Held meist ein Tenor ist und der Bösewicht ein Bass, ist eine Konvention – eine Gewohnheit, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Hohe, helle Stimmen verbinden wir mit Jugend, Unschuld und Liebe, tiefe, dunkle Stimmen mit Alter, Macht oder Bedrohung.
Komponisten können diese Erwartung auch brechen: Die Königin der Nacht in der „Zauberflöte“ ist ein extrem hoher Sopran – und trotzdem die gefährlichste Figur des Stücks. Gerade die unmenschlich hohen Töne machen ihre Wut hörbar.
etwa 30 Minuten
Am Anfang eines Musiktheaterstücks steht meist eine Geschichte – ein Märchen, ein Roman, ein Theaterstück. Daraus schreibt jemand das Textbuch: In der Oper heißt es Libretto (italienisch für „Büchlein“), im Musical spricht man vom Buch und von den Liedtexten. Dann komponiert jemand die Musik.
Das Stück ist in größere Abschnitte eingeteilt, die Akte (meist zwei oder drei), und diese wieder in Szenen. Zwischen den Akten ist oft Pause.
In der „Zauberflöte“ spricht die Königin der Nacht zuerst mit ihrer Tochter Pamina – dann setzt das Orchester ein, und sie singt ihre berühmte Rache-Arie. Achte darauf, wie sich die Stimmung verändert, sobald die Musik beginnt.
In älteren Opern stehen die Bausteine wie einzelne Nummern hintereinander: Rezitativ, Arie, Rezitativ, Duett … Man spricht von einer Nummernoper. Richard Wagner hat das im 19. Jahrhundert aufgelöst: Seine Musik fließt ohne Pause durch, sie ist durchkomponiert.
Auch Musicals haben eigene Bausteine:
etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!
Im Musiktheater weißt du oft schon durch die Musik, was los ist – noch bevor jemand ein Wort gesagt hat. Dafür haben Komponistinnen und Komponisten viele Mittel:
Manche Figuren bekommen eine eigene kurze Melodie, die immer erklingt, wenn sie auftreten – oder wenn an sie gedacht wird. So eine Erkennungsmelodie heißt Leitmotiv. Du kennst das aus dem Kino: Der „Imperial March“ kündigt in Star Wars Darth Vader an, noch bevor er zu sehen ist.
Das Besondere: Das Leitmotiv verändert sich mit der Figur. Hör dir an, wie dasselbe Motiv klingt, wenn die Figur glücklich auftritt, wenn sie in Gefahr ist und wenn sie Abschied nimmt:
Jetzt bist du dran: Du bist Komponistin oder Komponist. Wähl eine Szene, stell das Motiv mit den Reglern so ein, dass es zur Szene passt, hör es dir an – und speichere es. Für alle vier Szenen.
Richard Wagner hat das Leitmotiv zu seinem wichtigsten Werkzeug gemacht. In seinem vierteiligen „Ring des Nibelungen“ gibt es Motive für Figuren, Gegenstände, Orte und Ideen – und das Orchester spielt sie manchmal genau dann, wenn eine Figur lügt oder etwas nicht weiß. Das Publikum erfährt so durch die Musik mehr als die Figuren selbst.
Filmkomponisten wie John Williams (Star Wars, Harry Potter) oder Howard Shore (Der Herr der Ringe) arbeiten bis heute nach diesem Prinzip – und viele Musicals auch. Achte im Theater darauf, ob eine Melodie immer wieder auftaucht und wann.
etwa 25 Minuten
Im Theater passiert sehr viel gleichzeitig. Es hilft, wenn du dir vorher überlegst, worauf du besonders achten willst. Nach dem Besuch brauchst du deine Beobachtungen – dann schreibst du darüber.
Hier geht es weiter mit dem Stück, das du im Theater sehen wirst – und nach dem Besuch mit deiner Kritik.
Oper · Klasse 6
Märchenoper von Engelbert Humperdinck (1893). Die Geschichte, die Figuren und ihre Stimmen, die Lieder zum Mitsingen – und wie die Musik die Hexe verrät.
Musical · Klasse 9
Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze (2006), für euch im Opernhaus Dortmund. Wie die Musik eine Tote allgegenwärtig macht – und was ein Musicalsong mit einem romantischen Liebeslied zu tun hat.
etwa 30 Minuten
Die Geschichte kennst du bestimmt aus dem Märchen der Brüder Grimm. Die Oper ist aus einem Familienspaß entstanden: Adelheid Wette schrieb für ihre Kinder ein kleines Märchenspiel und bat ihren Bruder, den Komponisten Engelbert Humperdinck, ein paar Lieder dazu zu schreiben. Die Lieder gefielen so gut, dass Humperdinck daraus nach und nach eine ganze Oper machte.
Am 23. Dezember 1893 wurde „Hänsel und Gretel“ in Weimar zum ersten Mal gespielt. Seitdem gehört sie zu den beliebtesten Opern überhaupt und wird besonders gern in der Weihnachtszeit aufgeführt.
Die Oper hat drei Akte. Humperdinck nennt sie Bilder.
In einer ärmlichen Hütte am Waldrand sind Hänsel und Gretel allein. Sie sollen arbeiten: Hänsel bindet Besen, Gretel strickt einen Strumpf. Aber sie haben Hunger und keine Lust – also tanzen sie lieber („Brüderchen, komm tanz mit mir“).
Da kommt die Mutter heim. Sie ist wütend, weil nicht gearbeitet wurde, und stößt dabei aus Versehen den Milchtopf um. Jetzt gibt es gar nichts mehr zu essen! Sie schickt die Kinder in den Wald: Sie sollen Erdbeeren sammeln.
Dann kommt der Vater nach Hause – fröhlich, denn er hat viele Besen verkauft und bringt Essen mit. Als er hört, wo die Kinder sind, erschrickt er: Im Wald wohnt die Knusperhexe, die Kinder in ihrem Ofen zu Lebkuchen bäckt! Die Eltern laufen los, um die Kinder zu suchen.
Gretel flicht einen Kranz aus Blumen, Hänsel sammelt Erdbeeren – und dann essen die beiden alle Erdbeeren auf. Es wird dunkel, sie finden den Weg nicht mehr. Aus dem Wald hören sie einen Kuckuck und ein Echo, Nebel steigt auf, sie haben Angst.
Da kommt das Sandmännchen und streut ihnen Sand in die Augen. Bevor sie einschlafen, beten sie ihren Abendsegen („Abends will ich schlafen gehn“). Im Traum steigen vierzehn Engel vom Himmel herab und stellen sich schützend um die Kinder.
Am Morgen weckt das Taumännchen die Kinder mit Tautropfen. Da entdecken sie ein Häuschen aus Lebkuchen und Süßigkeiten – und knabbern daran. „Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen?“
Die Hexe fängt die beiden mit einem Zauberspruch. Sie sperrt Hänsel in einen Stall, um ihn zu mästen, Gretel muss im Haus helfen. Vor Freude reitet die Hexe auf ihrem Besen durch die Luft („Hurr hopp hopp hopp“).
Gretel schnappt sich den Zauberstab und befreit Hänsel mit dem Zauberspruch der Hexe. Als die Hexe Gretel in den Ofen schauen lassen will, stellt Gretel sich dumm: „Wie mach ich’s?“ Die Hexe zeigt es ihr – und die Kinder stoßen sie in den Ofen. Der Ofen zerspringt, und die Lebkuchenkinder am Zaun werden wieder lebendig. Endlich finden die Eltern ihre Kinder, und alle singen zum Schluss: „Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht.“
| Märchen der Brüder Grimm | Oper von Humperdinck | |
|---|---|---|
| Warum im Wald? | Die Eltern haben kein Essen mehr und lassen die Kinder absichtlich im Wald zurück. | Die Mutter schickt die Kinder aus Wut zum Erdbeersammeln. Niemand will sie loswerden – die Eltern suchen sie sogar. |
| Der Weg | Hänsel legt Kieselsteine und Brotkrumen. | Keine Steine, keine Krumen: Die Kinder verlaufen sich einfach. |
| Helfer | keine Zauberwesen | Sandmännchen, Taumännchen und vierzehn Engel |
| Das Ende | Die Kinder nehmen die Schätze der Hexe mit und finden allein nach Hause. | Die Lebkuchenkinder werden erlöst, die Eltern kommen, alle feiern zusammen. |
etwa 25 Minuten · Kopfhörer auf!
Erinnerst du dich an Kapitel 3? Jede Figur bekommt eine Stimmlage, die zu ihr passt. In „Hänsel und Gretel“ gibt es dabei zwei Überraschungen.
Fröhlich, mutig und schlau – am Ende rettet sie ihren Bruder.
Ein Junge, gesungen von einer Frau: eine Hosenrolle. Zusammen klingen die beiden Kinderstimmen hell und ähnlich.
Müde und verzweifelt, weil nichts zu essen im Haus ist.
Besenbinder, fröhlich und laut – und voller Sorge, als er von der Hexe erzählt.
Böse, gierig und ein bisschen verrückt. Manche Theater lassen sie von einem Mann singen – dann wird sie noch gruseliger und komischer zugleich.
Bringt den Kindern im Wald den Schlaf.
Weckt die Kinder am Morgen mit Tautropfen.
Die verzauberten Kinder am Zaun der Hexe. Oft singt hier ein echter Kinderchor.
Hier singt die Hexe ihren wilden Besenritt „Hurr hopp hopp hopp“ – einmal von einer Frau gesungen, einmal von einem Mann. Hör dir beide an und vergleiche.
Die Hexe als Mezzosopran:
Die Hexe als Tenor:
etwa 25 Minuten · Kopfhörer auf!
Humperdinck wollte eine Oper, die Kinder verstehen und mitsingen können. Viele Melodien klingen deshalb wie Volkslieder: einfach, eingängig, mit Strophen. Zwei davon sind so berühmt geworden, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass sie aus einer Oper stammen.
Gretel will ihrem Bruder das Tanzen beibringen. Hör zu, lies mit – und mach die Bewegungen mit, wenn du magst!
GretelBrüderchen, komm tanz mit mir,
beide Händchen reich ich dir.
Einmal hin, einmal her,
rundherum, es ist nicht schwer!
HänselTanzen soll ich armer Wicht,
Schwesterlein, und kann es nicht.
Darum zeig mir, wie ich’s mach,
dass ich tanzen lern danach.
GretelMit den Füßchen tapp, tapp, tapp,
mit den Händchen klapp, klapp, klapp.
Einmal hin, einmal her,
rundherum, es ist nicht schwer!
Und so geht es weiter – Strophe für Strophe mit derselben Melodie, aber immer neuen Bewegungen.
Allein im dunklen Wald, bevor sie einschlafen, beten Hänsel und Gretel. Achte darauf, wie ruhig die Musik plötzlich wird.
Abends, will ich schlafen gehn,
vierzehn Engel um mich stehn:
zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füßen,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zweie, die mich decken,
zweie, die mich wecken,
zweie, die mich weisen
zu Himmels-Paradeisen.
„Häupten“ ist ein altes Wort für „am Kopf“. „Himmels-Paradeisen“ bedeutet „ins Paradies im Himmel“.
etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!
Bevor Humperdinck „Hänsel und Gretel“ schrieb, hat er in Bayreuth bei Richard Wagner gearbeitet und ihm geholfen, eine seiner Opern auf die Bühne zu bringen. Von Wagner hat er gelernt, mit einem großen Orchester zu erzählen und mit Leitmotiven zu arbeiten – du kennst sie aus Kapitel 5. So klingt das Märchen im Orchester fast wie großes Kino.
Noch bevor sich der Vorhang öffnet, spielt das Orchester das Vorspiel. Hör dir mindestens die ersten zwei Minuten an. Achte besonders auf den Anfang: Welche Instrumente spielen, und welche Melodie kennst du schon?
Vor dem 2. Bild spielt das Orchester noch einmal allein: den Hexenritt. Die Hexe ist noch gar nicht zu sehen – aber die Musik erzählt schon von ihr.
Jetzt vertonst du zwei Szenen aus der Oper selbst – wie in Kapitel 5. Stell das Motiv ein, hör es dir an, speichere es und schreib dazu, warum es passt. Danach vergleichst du deine Musik mit der von Humperdinck.
etwa 45 Minuten · erst nach dem Theaterbesuch
Das wolltest du im Theater herausfinden (aus Kapitel 6):
Eine Kritik erzählt anderen, was du gesehen hast, und sagt deine begründete Meinung. Gute Kritiken sind genau: Statt „Die Hexe war toll“ schreibst du, was toll war – ihre Stimme, ihr Kostüm, wie sie sich bewegt hat.
etwa 35 Minuten
„Rebecca“ ist zuerst ein Roman der englischen Schriftstellerin Daphne du Maurier aus dem Jahr 1938 – ein Bestseller bis heute. 1940 machte Alfred Hitchcock daraus einen Film, der den Oscar als bester Film gewann.
Das Musical stammt von Sylvester Levay (Musik) und Michael Kunze (Buch und Liedtexte), die vorher schon mit „Elisabeth“ Erfolg hatten. Uraufgeführt wurde es am 28. September 2006 im Raimund Theater in Wien. Seitdem wurde es in zwölf Ländern gespielt. Die Handlung spielt 1926/27 in Monte Carlo und in Cornwall im Südwesten Englands.
Ihr seht „Rebecca“ im Opernhaus Dortmund – in einer Neuinszenierung von Gil Mehmert, Premiere am 19. September 2026. Es ist das erste Mal, dass das Musical an einem deutschen Stadttheater gespielt wird. Mehr dazu in Station 5.
Der Trailer der Wiener Neuinszenierung von 2022 gibt dir einen ersten Eindruck:
Eine junge, schüchterne Frau ohne Namen – sie erzählt die Geschichte. Anfangs arbeitet sie als Gesellschafterin einer reichen Amerikanerin.
Ein reicher Engländer, Besitzer des Landsitzes Manderley. Seine erste Frau Rebecca ist vor einem Jahr ertrunken.
Die Haushälterin von Manderley. Sie hat Rebecca abgöttisch verehrt und duldet keine Nachfolgerin.
Maxims erste Frau. Sie ist tot und tritt nie auf – und ist trotzdem überall.
Verwalter von Manderley und Maxims bester Freund, freundlich und ehrlich.
Maxims Schwester; sie nimmt „Ich“ sofort herzlich auf.
Rebeccas Cousin, zwielichtig – er will aus Rebeccas Tod Kapital schlagen.
Die reiche, laute Amerikanerin, für die „Ich“ anfangs arbeitet.
Im Prolog träumt „Ich“, Jahre später, von den Ruinen des Landsitzes Manderley („Ich hab geträumt von Manderley“). Dann springt die Geschichte zurück: In Monte Carlo lernt die junge Frau den reichen Witwer Maxim de Winter kennen. Die beiden verlieben sich, heiraten überstürzt und ziehen nach Manderley.
Dort ist die tote Rebecca allgegenwärtig: ihr Zimmer, ihre Möbel, ihr Monogramm – und vor allem Mrs. Danvers, die ihre frühere Herrin fast anbetet und die neue Mrs. de Winter spüren lässt, dass sie nicht dazugehört. Maxim wird immer wieder schroff und verschlossen. Für den großen Kostümball rät Mrs. Danvers „Ich“, ein Kleid nach einem Gemälde im Haus nachschneidern zu lassen. Als „Ich“ darin die Treppe herunterkommt, sind alle entsetzt: Genau dieses Kleid trug Rebecca auf ihrem letzten Ball.
Am nächsten Morgen drängt Mrs. Danvers „Ich“ am offenen Fenster, sich das Leben zu nehmen – da reißen Leuchtraketen sie aus der Starre: Ein Schiff ist in der Bucht gestrandet. Taucher finden dabei Rebeccas gesunkenes Segelboot, und darin ihre Leiche.
Jetzt gesteht Maxim: Er hat Rebecca nie geliebt, sondern gehasst. Bei einem heftigen Streit kam sie ums Leben, und er hat sie mit ihrem Boot versenkt. „Ich“ steht zu ihm – und verändert sich: Aus der schüchternen jungen Frau wird die Herrin von Manderley („Mrs. de Winter bin ich!“). Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass Rebecca unheilbar krank war und sterben wollte; Maxim wird nicht angeklagt. Doch Mrs. Danvers will keine neue Mrs. de Winter dulden: Sie setzt Manderley in Brand und stirbt in den Flammen. Im Epilog leben „Ich“ und Maxim weit weg in Italien – und Manderley gibt es nur noch im Traum.
etwa 40 Minuten · Kopfhörer auf!
Das Stück heißt „Rebecca“ – aber Rebecca steht nie auf der Bühne. Trotzdem spürt das Publikum sie den ganzen Abend. Wie geht das? Die Macher nutzen vier Mittel:
Mrs. Danvers erzählt „Ich“ von Rebecca – und steigert sich dabei immer mehr hinein. Hör den Song ganz an und achte auf: Wie oft und wie erklingt der Name „Rebecca“? Wie entwickelt sich die Lautstärke? Wie setzt die Sängerin ihre Stimme ein? Was macht das Orchester?
Aufnahme aus dem Wiener Konzert „Stimmen für den Frieden“ 2022 mit Carin Filipčić. Im Stück singt Mrs. Danvers den Song im 1. Akt in Rebeccas Zimmer.
Im 2. Akt, am Morgen nach dem Ball, erklingt der Titelsong wieder – jetzt singt Mrs. Danvers ihn, während sie „Ich“ am offenen Fenster in den Abgrund treiben will. Eine Melodie, die wiederkommt, ist wie ein Leitmotiv (Kapitel 5): Sie zeigt, dass Rebecca die Figuren nicht loslässt – und dass sich die Lage verschärft hat.
Aufnahme vom Donauinselfest Wien 2022.
etwa 35 Minuten · Kopfhörer auf!
Die Hauptfigur hat keinen Namen – schon im Roman nicht. Sie ist „Ich“, die Erzählerin. Neben der strahlenden Rebecca, deren Name überall steht, wirkt sie dadurch klein und austauschbar. Genau darum geht es im Stück: Findet sie ihren eigenen Platz?
Musicals zeigen solche Entwicklungen oft über die Songs einer Figur. Vergleiche zwei Momente:
Monte Carlo. Mrs. van Hopper will abreisen, und „Ich“ denkt an die glücklichen Tage mit Maxim zurück. Sie wünscht sich, sie könnte die Zeit festhalten – wie in einer Flasche.
Nach Maxims Geständnis lässt „Ich“ alles wegräumen, was an Rebecca erinnert. Mrs. Danvers protestiert – doch jetzt gibt „Ich“ die Anweisungen. Hier singen die beiden Gegenspielerinnen gegeneinander.
etwa 45 Minuten · Kopfhörer auf!
Liebe ist das älteste Thema der Musik. Aber wie man ein Liebeslied schreibt und singt, hat sich stark verändert. Du vergleichst jetzt ein romantisches Kunstlied von 1840 mit einem Musicalsong aus „Rebecca“ von 2006.
1840 durfte Robert Schumann nach langem Kampf – ihr Vater war strikt dagegen – endlich die Pianistin Clara Wieck heiraten. Als Hochzeitsgeschenk schrieb er ihr eine Sammlung von Liedern, die „Myrthen“ (Myrte ist eine Brautblume). Das erste Lied heißt „Widmung“. Der Text ist ein Gedicht von Friedrich Rückert.
Ein Kunstlied ist ein Gedicht, das für eine Singstimme und Klavier vertont wurde. Beide sind gleich wichtig: Das Klavier begleitet nicht nur, es deutet den Text mit aus. Gesungen wurden solche Lieder im Salon, zu Hause oder im Konzert.
Du meine Seele, du mein Herz,
du meine Wonn’, o du mein Schmerz,
du meine Welt, in der ich lebe,
mein Himmel du, darein ich schwebe,
o du mein Grab, in das hinab
ich ewig meinen Kummer gab!
Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
du bist vom Himmel mir beschieden.
Dass du mich liebst, macht mich mir wert,
dein Blick hat mich vor mir verklärt,
du hebst mich liebend über mich,
mein guter Geist, mein bessres Ich!
Danach kehrt der Anfang wieder. „Wonne“ bedeutet große Freude, „verklärt“ so viel wie „in schönerem Licht erscheinen lassen“. Achte beim Hören darauf, wie sich die Musik beim zweiten Teil „Du bist die Ruh“ verändert.
1. Akt, die erste Nacht im Ostflügel von Manderley. „Ich“ und Maxim fühlen beide die Schatten der Vergangenheit und haben Angst. Sie bitten einander, sich gegenseitig Halt zu geben – ein Liebesduett mitten in der Handlung.
Aufnahme vom Donauinselfest Wien 2022.
etwa 60 Minuten · erst nach dem Theaterbesuch
Das Theater Dortmund zeigt „Rebecca“ in der Spielzeit 2026/27 als Neuinszenierung von Gil Mehmert. Premiere war am 19. September 2026. Das Besondere: Zum ersten Mal steht das Musical nicht in einem reinen Musicaltheater, sondern auf der Bühne eines deutschen Stadttheaters – im Opernhaus, in dem sonst Opern und Ballett laufen. Die Vorstellung dauert etwa 2 Stunden 45 Minuten mit einer Pause.
| Rolle | Premierenbesetzung |
|---|---|
| „Ich“ | Antonia Kalinowski |
| Maxim de Winter | Mark Seibert (in manchen Vorstellungen Jan Ammann oder Philipp Dietrich) |
| Mrs. Danvers | Bettina Mönch |
| Jack Favell | David Jakobs |
| Mrs. Van Hopper | Amani Robinson |
| Beatrice | Alexandra Farkic |
| Frank Crawley | Markus Schneider |
Die Besetzung kann an jedem Abend wechseln. Wer bei euch gespielt hat, steht auf dem Besetzungszettel im Programmheft.
Erinnerst du dich an Kapitel 2? So heißen die Menschen, die die Dortmunder „Rebecca“ gestaltet haben:
| Regie | Gil Mehmert |
| Musikalische Leitung | Carlos Vázquez, Olivia Lee-Gundermann, Michael Shannon |
| Bühne | Karl Fehringer, Judith Leikauf |
| Kostüme | Falk Bauer |
| Choreografie | Yara Hassan |
| Lichtdesign | Michael Grundner |
| Sounddesign | Joerg Gruensfelder |
| Dramaturgie | Nikita Dubov |
| Inspizienz | Ivana Aeschbacher, Ulas Nagler |
Angaben nach der Website des Theaters Dortmund (Stand September 2026). Das Sounddesign gibt es im Opernhaus sonst kaum – im Musical sorgt es dafür, dass Mikroports, Orchester und Effekte im Saal richtig klingen.
Das wolltest du im Musical herausfinden (aus Kapitel 6):
Eine Kritik informiert und beurteilt. Dein Urteil zählt nur, wenn du es mit genauen Beobachtungen belegst und die Fachbegriffe aus dieser Einheit nutzt.
Mit deinem Code liegen deine Antworten in der musikwerkzeug. Du kannst am nächsten iPad weiterarbeiten – einfach denselben Code wieder eingeben. Mindestens 4 Zeichen, nur Buchstaben, Zahlen und Bindestriche.